Die Tage der Nachrichtenbildung: ein voller Erfolg

Der „Digitale Kompass – das Institut für Nachrichtenkompetenz und digitale Bildung“ absolvierte in den vergangenen Monaten 32 Workshops für fast 1.000 SchülerInnen und über 40 LehrerInnen. Dabei gingen unsere Trainer an 20 verschiedenen Schulen in Wien und Niederösterreich und standen 7680 motivierte Minuten in den Klassenzimmern. Die Schülerinnen und Schüler spielten unser Online-Quiz „Wer wird Medienprofi ?“ mit Begeisterung und viele zeigten Witz und Kreativität beim Verfassen eigener Artikel. Einige SchülerInnen offenbarten dabei sogar ihre versteckten Talente zum Satiriker oder Boulevardjournalisten. So konnten wir spielerisch und kurzweilig vermitteln, wie man zwischen manipulativen und glaubwürdigen Internetinhalten unterscheidet.

Trainer Thomas Prager erklärt zwei Schülerinnen praktische Tools

 

Besonders ist, dass gerade Schulen aus einkommensschwächeren Bezirken gleich mehrere unserer kostenlosen Workshops absolvierten. Ein besonders positives Beispiel dafür waren die Polytechnische Schule und das Islamische Realgymnasium im 15. Bezirk, die uns im Anschluss an den ersten erfolgreichen Workshop gleich mehrmals buchten. Zahlreiche LehrerInnen bedankten sich für die Chance, einen kostenlosen Workshop buchen zu können und betonten, welche Hürde Teilnahmegebühren für manche ihrer SchülerInnen darstellen. Insgesamt konnten so 57 Prozent der Workshops in Wiener Schulen in den einkommensschwächsten Bezirken Wiens stattfinden.

 

Unsere Ergebnisse:

Neben dem großen Einsatz in den Klassenzimmern, war es uns auch wichtig, die Wirkung unserer Workshops zu überprüfen. Dementsprechend wurden die „Tage der Nachrichtenbildung“ über ihre gesamte Dauer wissenschaftlich begleitet. Auf diese Weise konnten wir kontrollieren, ob unsere Inhalte und ihre methodische Vermittlung die gewünschten Ziele und Effekte erbracht haben. So wurde in jedem Workshop mittels eines Vorher-Nachher-Settings überprüft, inwiefern SchülerInnen Falschmeldungen im Internet erkennen können. Vor unserem Workshop konnten nur 25,43% der befragten SchülerInnen
Falschmeldungen im Internet als solche identifizieren, danach waren es ganze 80,76% (siehe Diagramm 1). Dies zeigt eine überaus deutliche Verbesserung um 315,61% und ist ein aussagekräftiger Hinweis darauf, dass die SchülerInnen gelernt haben, das von uns vermittelte Handwerkszeug
selbständig anzuwenden.

Wie gut erkennen SchülerInenn Falschmeldungen?

 

Um zu evaluieren, ob unsere Workshops auch den Interessen und der Lebenswelt der SchülerInnen entsprechen, wurde gleichzeitig auch ein grundsätzliches Feedback von den SchülerInnen eingeholt. So wurde der Kurs im Allgemeinen, sein Informationsgehalt und die durchführenden Trainer nach Schulnoten von 1 – 5 bewertet. Die Daten wurden online und anonym erhoben. Das Diagramm 2 zeigt, dass 90% der SchülerInnen unseren Workshop im Allgemeinen mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet haben. Ähnliche Ergebnisse konnten für die Arbeit der Trainer (von 93% der SchülerInnen mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet) und dem Informationsgehalt des Workshops (von 92,7% für „gut“ oder „sehr gut“ befunden)
erzielt werden.

Bewertung des Workshops in Schulnoten

 

„Es war ein sehr guter Workshop, der gut gestaltet wurde. Die Leiter hatten
auf jede Frage eine Antwort, so wie es sich gehört!“ (Christoph, 15 Jahre)

 

„Der Workshop war sehr interessant und hat Spaß gemacht! Vielen Dank dafür!
Ich wünsche euch noch viel Erfolg!“ (Lena, 16)

 

„Ich fand den Workshop sehr schön gestaltet! Es gab genug zum selbst ausprobieren und man ist
nicht nur gelangweilt in der Klasse gehockt.“ (Mohammed, 17 Jahre)

Tim Dombrowski arbeitet mit Christoph im Workshop

 

Einblick in die Studie:

Im Zuge der „Tage der Nachrichtenbildung“ hat der „Digitale Kompass“ zudem eine wissenschaftliche Studie über die Nachrichtenkompetenz von SchülerInnen durchgeführt. Dabei kooperierte der Verein mit „3Hilft“ und dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Während der Workshops wurden zirka 450 SchülerInnen aus 25 verschiedenen Klassen direkt im Unterricht befragt. Dies sorgte aus zwei Gründen für überaus valide Ergebnisse: Einerseits konnte sichergestellt  werden, dass die Jugendlichen den Online-Fragebogen vollständig  und gewissenhaft ausfüllten, anderseits konnte so eine Stichprobe erhoben werden, die der heterogenen Klassenrealität eher entspricht, als vergleichbare Online-Umfragen, an denen zumeist lediglich engagierte Jugendlichen teilnehmen.
Die Ergebnisse der Studie können so neue empirische Erkenntnisse über  die Nachrichtenkompetenz und das Informationsverhalten von österreichischen SchülerInnen liefern. Wir präsentieren Ihnen vorab ein erstes Resultat: SchülerInnen verfolgen Nachrichten (etwa über Politik und aktuelle Ereignisse) überwiegend über die Social Media Kanäle WhatsApp,  Instagram und Youtube. Eine deutlich geringere Rolle spielen im Gegensatz dazu Facebook sowie die Onlineauftritte von Tageszeitungen.
Die vollständigen Ergebnisse werden demnächst gemeinsam mit „3Hilft“ und der „Universität Wien“ publiziert. Sie werden unter anderem Aufschluss darüber geben, welchen Quellen Jugendliche am meisten vertrauen. Zudem listen wir die beliebtesten Youtuber der 14 –19jährigen auf.

Mediennutzung im Vergleich (0= nie, 5= mehrmals täglich)

 

AUSBLICK:

Das Ende der „Tage der Nachrichtenbildung“ bedeutet auch das Ende wochenlanger harter, aber auch befriedigender Arbeit, die uns auf professioneller und persönlicher Ebene bereichert hat. Vor allem aber hat unser Projekt zwei Punkte deutlich gemacht, die uns voller Tatendrang in die Zukunft blicken lassen: Einerseits haben wir im schulischen Bereich eine starke Nachfrage nach unseren Kursen wahrgenommen. Viele LehrerInnen gaben uns gegenüber an, sich mehr Unterstützung im Feld der Medienbildung zu wünschen. Andererseits ergab unsere Evaluation, dass unser konzeptueller Workshop den SchülerInnen wirklich weiterhilft und auf persönlicher Ebene sehr positiv aufgenommen wurde. Aus diesen Gründen widmen wir uns optimistisch den kommenden Aufgaben und Zielen des Vereins „Digitalen Kompass – das Institut für Nachrichtenkompetenz und digitale Bildung“. Zu allererst werden  wir unser Schulungsprogramm, aufbauend auf den Erkenntnissen der Evaluation weiter ausbauen und noch stärker auf die Bedürfnisse der Jugendlichen anpassen. Zusätzlich zur Aufgabe, die bereits zahlreichen
Anfragen von Oberstufenschulklassen bedienen zu wollen, werden wir auch erstmals Workshops für Unterstufen-SchülerInnen anbieten. Außerdem  wird sich unser Verein verstärkt in der Lehrerausbildung engagieren. So werden wir Multiplikatoren-Fortbildungen für LehrerInnen aller Fachrichtungen
halten, u.a. an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich. Bereits in den nächsten Wochen präsentieren wir die Ergebnisse der  Studie „Nachrichtenkompetenz von SchülerInnen in Österreich“. Die neu gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Umgang von SchülerInnen mit Informationen im Internet werden uns künftig helfen, noch zielgenauer und reflektierter für mehr Nachrichtenkompetenz in Österreich zu arbeiten. Wir freuen uns schon sehr auf all unsere Vorhaben und hoffen die bisher furchtbare Zusammenarbeit fortsetzen zu können.

Die Bilanz der Tage der Nachrichtenbildung